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BVB vor Hitz-Verpflichtung: Doppelt hält besser

BVB vor Hitz-Verpflichtung: Doppelt hält besser
Borussia Dortmund soll auf der Suche nach einem neuen Torhüter beim FC Augsburg fündig geworden sein. Medienberichten zufolge wechselt Marwin Hitz zur kommenden Saison ablösefrei zum BVB. Dass es dadurch zu einem echten Zweikampf mit Roman Bürki um die Stammposition kommt, ist unwahrscheinlich. Für den Fall der Fälle hätte der BVB aber vorgesorgt.

"Mich trifft das nicht aus heiterem Himmel." Sachlich, ja fast schon emotionslos und nüchtern, verkündete Manuel Baum auf der Pressekonferenz am Donnerstag, dass der FC Augsburg und Torhüter Marwin Hitz nach der Saison getrennte Wege gehen werden. In der Tat hatte sich der Abgang des Schweizer Nationalspielers in den vergangenen Wochen und Monaten bereits abgezeichnet. In dieser Zeit hatte Hitz Fragen nach einer möglichen Vertragsverlängerung des bis Sommer 2018 laufenden Arbeitspapiers stets ausweichend beantwortet.

"Ich habe noch keinen Fahrplan. Ich habe es schon im Sommer gesagt, dass ich mich nicht unter Druck setzen lasse", sagte der 30-Jährige vor knapp vier Wochen. Nun steht sein Fahrplan wohl fest. Dieser wird ihn aller Voraussicht nacht im Sommer ablösefrei zu Borussia Dortmund führen. Dort soll Hitz Ersatzkeeper Roman Weidenfeller beerben.

Ein Schritt, der sich aus Sicht von Hitz auf den ersten Blick kaum erschliesst, der für den BVB aber Gold wert sein kann. Denn einerseits ist es unwahrscheinlich, dass Hitz und die etatmässige Nummer eins Roman Bürki tatsächlich einen ernsthaften Zweikampf um die Stammposition führen werden. Andererseits hat der BVB nun eine sehr gute Alternative zu Bürki zur Hand, der in Dortmund immer noch mit dem Stigma des umstrittenen Rückhalts zu kämpfen hat.

BVB stärkt Roman Bürki durch die Hitz-Verpflichtung

Dass das so ist, liegt allerdings nicht an der Vereinsführung des BVB. Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke stellen sich in der Öffentlichkeit stets hinter Bürki, der in dieser Saison nach einigen schweren Patzern in die Kritik geraten war. Symbolträchtig verlängerte der BVB vorzeitig mit dem 27 Jahre alten Keeper in einer Phase, in der in den Medien mit Kevin Trapp, Lukas Hradecky und Timo Horn bereits Namen für die Bürki-Nachfolge kursierten.

"Ich bin sehr glücklich über das Vertrauen, das mir Borussia Dortmund in einer für mich durchaus schwierigen Phase entgegenbringt", kommentierte der Schlussmann seine Vertragsverlängerung bis 2021. Zorc stellte klar, dass der Verein nach wie vor ein grosses Entwicklungspotenzial in Bürki sehe.

BVB vor Hitz-Verpflichtung: Doppelt hält besser
Die Verpflichtung von Hitz zeigt, dass sich daran auch nach einem guten halben Jahr kaum etwas geändert hat. Der BVB wäre angesichts der fragwürdigen Stellung von Trapp bei Paris Saint-Germain (nur elf Einsätze in dieser Saison), der Offenheit Hradeckys für einen Wechsel und dem Abstieg des 1. FC Köln und Timo Horn in keiner schlechten Verhandlungsposition gewesen, eine potenzielle neue Nummer eins zu verpflichten.

Die Schwarz-Gelben entschieden sich jedoch für Hitz, der zwar reichlich Bundesliga-Erfahrung hat (153 Spiele) und mit dem FCA und Wolfsburg bereits in der Europa League spielte (zwölf Spiele), aber gegenüber Bürki kein Upgrade auf der Torhüterposition ist.

Marwin Hitz in der Bundesliga beim FC Augsburg: Konstant gut

Beim FCA war Hitz über Jahre eine der Säulen und unangefochtener Stammkeeper, nachdem er 2013 Alexander Manninger aus dem Tor verdrängte. Hitz zeigte beständige Leistungen, patzte nur selten und sicherte dem FCA auch in dieser Saison mit seinen Paraden den ein oder anderen Punkt gegen den Abstieg. Neun Spiele hielt Hitz die Null in dieser Saison (Platz 7 im Bundesliga-Vergleich), er parierte 74 Prozent der Schüsse, die auf sein Tor kamen (nur Jiri Pavlenka ist besser) und zeigte 114 Torwartparaden. In dieser Kategorie sind nur Timo Horn (126) und Jiri Pavlenka (125) stärker.

Zwar hat Bürki im Vergleich zu Hitz bei Torwartparaden und gehaltenen Torschüssen das Nachsehen, doch das liegt unter anderem auch daran, dass Augsburg mehr Torschüsse pro Spiel zulässt. Das Alter und "Entwicklungspotenzial", von dem Sportdirektor Zorc im Fall Bürki immer gerne redet, sprechen hingegen für Bürki, der als Nummer zwei auch in der Schweizer Nationalmannschaft die Nase vor Hitz hat.

Die Statistik zeigt: Hitz ist ein überdurchschnittlich guter Bundesliga-Torhüter, an dem beim FCA kaum ein Weg vorbeiführt. Doch auch Bürki spielt eine bessere Saison, als es seine bösen Aussetzer gegen APOEL oder gegen den VfB Stuttgart vermuten lassen. Seine zwölf Zu-Null-Spiele sind Ligaspitzenwert (gemeinsam mit Ulreich und Fährmann) und das trotz einer fragilen BVB-Defensive.

BVB vor Hitz-Verpflichtung: Doppelt hält besser
BVB-Plan mit Marwin Hitz: Karriereschub und Ulreich-Prinzip

Aus dieser Tatsache ergibt sich auch die Motivation für Hitz und seinen Wechsel zum BVB. Den 30-Jährigen zieht sicherlich nicht nur ein höheres Gehalt nach Dortmund, sondern auch die neue Herausforderung. Es ist für Hitz mit 30 Jahren die wohl letzte Chance, sich noch einmal bei einem Topklub auf Champions-League-Niveau zu zeigen. Eine Chance, die er sich so lange wie möglich offen gehalten hat und deswegen mit einer Verlängerung beim FCA zögerte.

Bereits in den vergangenen beiden Sommertransferperioden wollte Hitz Medienberichten zufolge einen Wechsel forcieren, doch eine echte Gelegenheit bot sich nicht. Womöglich kam Hitz mit seinem Wechsel aber auch einer Degradierung in Augsburg zuvor. Dort sah Trainer Baum davon ab, seinen Torhüter, der zeitweise sogar stellvertretender Kapitän der Fuggerstädter war, in den Mannschaftsrat zu berufen.

Das Verhältnis zwischen Spieler und Verein wirkte trotz positiver Aussendarstellung und Lippenbekenntnissen der gegenseitigen Wertschätzung unterkühlt. Am vergangenen Samstag setzte Baum Hitz sogar auf die Bank, liess Andreas Luthe spielen und begründete das Ganze anschliessend mit "sensationellen Trainingsleistungen" der etatmässigen Nummer zwei. Eine Aussage, an der angesichts des nun bekanntgewordenen Abgangs von Hitz durchaus Zweifel gehegt werden dürfen, schliesslich galt in Augsburg seit vier Jahren die Devise: Ist Hitz gesund, spielt er auch.

Für den BVB ist die Hitz-Verpflichtung hingegen ein echter Glücksfall. Zum einen spart der BVB durch den ablösefreien Wechsel Millionen ein, die er in die zahlreichen anderen Kaderbaustellen investieren kann. Zudem kann die Vereinsführung Bürki weiterhin als Nummer eins den Rücken stärken, hat im Notfall bei einer Verletzung oder ausbleibenden Leistungen einen Torhüter in der Hinterhand, der in der Vergangenheit immer konstant gute Leistungen auf hohem Bundesliga-Niveau gezeigt hat.

Vieles erinnert bei dieser Konstellation an den Wechsel von Sven Ulreich zum FC Bayern im Sommer 2015. Ulreich gab damals ebenfalls seine Stammposition beim VfB auf und stellte sich hinter Manuel Neuer ins zweite Glied. Auch dort stellte sich für viele die Frage nach dem Sinn des Wechsels. Der Vergleich mag ob der Unantastbarkeit Neuers beim Rekordmeister zwar hinken, da Bürki in Dortmund längst nicht das Standing des Nationaltorhüters hat. Das Prinzip ist allerdings das Gleiche: Doppelt hält besser.

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