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Ein Heisssporn soll den Wölfen Dampf machen

Ein Heisssporn soll den Wölfen Dampf machen
Der VfL Wolfsburg will in der Rückrunde Vieles besser machen und noch einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Offensiv soll unter anderem Neuzugang Renato Steffen mehr Torgefahr sorgen. Für seinen Traum von der Bundesliga gab der Flügelstürmer einen sicheren Champions-League-Platz auf. In die Reihe der übrigen Schweizer Talente will er aber nicht so richtig passen..

64 Minuten waren im Dortmunder Signal Iduna Park zwischen dem BVB und dem VfL Wolfsburg gespielt. Martin Schmidt brachte Renato Steffen für Daniel Didavi und liess seinen Neuzugang damit Bundesligageschichte schreiben: Steffen wurde durch seine Einwechslung zum 6000. Spieler, der in der Bundesliga eingesetzt wurde.

Auch wenn es am Ende beim 0:0 blieb: Steffen machte einen guten ersten Eindruck in Grün-Weiss und hatte sogar die Chance zum Siegtreffer. Der Schweizer konnte die Qualitäten unter Beweis stellen, die den VfL auf der Suche nach Verstärkungen auf den Plan gerufen hatten: schneller Antritt, körperlich stark, guter linker Fuss. Wie Arjen Robben bei den Bayern kommt er als Linksfuss bevorzugt über die rechte Seite, von dort kann er entweder nach innen ziehen und den Abschlus suchen, oder ober Mitspieler in Szene setzen.

Erst wenige Tage zuvor hatte Renato Steffen beim VfL einen Dreijahresvertrag unterschrieben Obwohl der Wechsel vom Schweizer Rekordmeister FC Basel nach Wolfsburg der nächste, vielleicht grösste Schritt seiner Karriere war, war von Nervosität nichts zu sehen.

Ein Heisssporn soll den Wölfen Dampf machen
Vom Maler zum Fussballprofi

Basel konnte Steffen nicht halten, als die Wölfe lockten. Auch wenn der FC jedes Jahr in der Champions League vertreten ist und der VfL Wolfsburg in den letzten zwei Jahren mit Abstiegssorgen zu kämpfen hatte, besitzt die Bundesliga doch eine ganz andere Strahlkraft als die Super League der Eidgenossen.

"Das ist ein Schritt nach vorne, das war immer mein Traum. Ich musste nicht zweimal überlegen", sagte Steffen dem Kicker kurz nach seinem Wechsel.

Die bisherige Laufbahn des 26-Jährigen verlief dabei ganz anders, als es heutzutage üblich ist. Statt in einem Nachwuchsleistungszentrum zum Profi ausgebildet zu werden, absolvierte Steffen eine Malerlehre und kickte nebenbei in der vierten Liga.

2012 kam schliesslich der direkte Wechsel in den Profifussball, zum Erstligisten FC Thun. Ein Jahr später unterschrieb Steffen bei den Young Boys Bern, wo er zum Nationalspieler wurde. Im Januar 2016 meldete sich der FC Basel und holte ihn als neuen Rechtsaussen.

Sechs Jahre nach seinem Wechsel aus der vierten in die erste Liga hat es Steffen nun also bis in die deutsche Bundesliga geschafft. Seine Zahlen in jeweils zwei Jahren bei Bern und Basel sind fast identisch: Bei den Young Boys war er in 84 Spielen an 37 Treffern beteiligt, beim FCB erreichte er diesen Wert nach 86 Spielen.

Ein Heisssporn soll den Wölfen Dampf machen
Renato Steffen: "VfL geniesst hervorragenden Ruf in der Schweiz"

Warum ausgerechnet Wolfsburg? Spieler wie Diego Benaglio, Ricardo Rodriguez oder Timm Klose sorgten in den letzten Jahren dafür, dass das Image der Niedersachsen in der Schweiz besonders positiv ist. "Sie alle haben hier ihren grossen Durchbruch geschafft", meint Steffen.

Ausserdem trifft er in Wolfsburg mit Coach Schmidt und Neuzugang Admir Mehmedi auf zwei Landsmänner. "Ich habe mich mit Benaglio und Rodriguez, ausgetauscht und wollte mir mein eigenes Bild vom Verein machen", sagte Steffen bei seiner Vorstellung.

Doch nicht nur in Wolfsburg weiss man um die Qualitäten von Schweizer Spielern. Insbesondere Talente des FC Basel sind heissbegehrt. Nach Granit Xhaka (Mönchengladbach) und Breel Embolo (Schalke) wechselte im Winter mit Manuel Akanji (Dortmund) der nächste vielversprechende junge Spieler vom FCB in die Bundesliga.

Bei Renato Steffen ist die Ausgangslage jedoch völlig anders. Xhaka, Embolo und Akanji waren und sind Spieler, die sich bei ihren Klubs entwickeln sollen und irgendwann auf den nächsten ganz grossen Schritt spekulieren. So wechselte Xhaka bekanntlich nach vier Jahren bei Borussia Mönchengladbach zum FC Arsenal.

Mit 1,75 Millionen Euro Ablöse wechselte Steffen daegen für sehr kleines Geld zum VfL. Den "Talent"-Status hat er schon lange hinter sich, vielmehr soll er der Offensive des VfL mit seiner Erfahrung neue Lösungen bieten. Die brauchen die Wölfe nach dem Abgang von Mario Gomez auch dringend. "Mein Ziel ist es, jetzt der Mannschaft so schnell wie möglich helfen zu können", sagte Steffen über seine neue Aufgabe.

Ein Heisssporn soll den Wölfen Dampf machen
Lobende Worte von Ottmar Hitzfeld

Der frühere Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld lobte Steffen im Kicker kurz nach Bekanntwerden des Transfers und beglückwünschte ihn zum Sprung ins deutsche Oberhaus.

"Er hat die Klasse für die Bundesliga", sagte Hitzfeld, der aber auch weiss, dass Steffen in seiner Heimat als Heisssporn gilt. "Er lässt sich nichts gefallen, aber er ist kein unfairer Spieler. Sondern jemand, den man lieber im eigenen Team hat." In der Hinrunde beim FC Basel sammelte Steffen sechs Gelbe Karten in 17 Partien.

Für ihn selbst sind die vielen Verwarnungen aber keine grosse Sache: "Ich bin bissig. Aber ich sehe mich nicht so schlimm wie die Schweizer. Ich bin nicht der Grösste und musste lernen, wie ich meinen Körper einsetzen kann." Einen Körper, der mit seinen kompakten 1,70 Metern fast ein bisschen an Landsmann Xherdan Shaqiri erinnert.

Ein Heisssporn soll den Wölfen Dampf machen
Wolfsburg braucht weiterhin mehr Torgefahr

Neben den Neuzugängen Steffen und Mehmedi beendete der VfL die Leihe von Josip Brekalo zum VfB Stuttgart als Teil des Deals um Mario Gomez. Die drei neuen Offensivkräfte sollen dem Team von Martin Schmidt neue Torgefahr einhauchen, nachdem Wolfsburg in der Hinrunde nur 25 Tore erzielte.

Bisher muten die Ergebnisse allerdings weiter mittelmässig an: Ein Sieg, zwei Remis und eine Niederlage bei 3:4 Toren stehen 2018 bislang zu Buche.

Die Neuzugänge haben also noch Arbeit vor sich. Immerhin geniesst Steffen das Vertrauen des Trainers. Nach Einwechslungen in den ersten beiden Spielen stand er zuletzt zweimal in der Startelf. Ohne Verwarnung übrigens.

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