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FC Bayern: Ziemlich wenig Mia san mia

FC Bayern: Ziemlich wenig Mia san mia
Der FC Bayern München hat wenige Tage nach der Entlassung von Carlo Ancelotti beim 2:2 gegen Hertha BSC den nächsten Rückschlag hinnehmen müssen. Die Massnahme des Interimstrainers Willy Sagnol, auf die zuletzt unzufriedenen Topstars zu setzen, verpuffte, spielerisch lag weiterhin einiges im Argen. Die Partie zeigte: Die Probleme des Rekordmeisters liegen derzeit tiefer als nur beim geschassten Ex-Trainer.

Am Ende gibt es nur noch die Ultima Ratio. Völlig untypisch für den FC Bayern dreschen die Verteidiger das Leder in den letzten Minuten der Partie einfach hoch und weit nach vorne. Immer wieder. Wirkliche Überzeugung, dass der Siegtreffer gegen Hertha BSC noch gelingen wird, sieht anders aus.

Es ist ein nicht übersehbarer Kontrast zum Spiel im Februar, als die Bayern bei der Hertha erst durch ein Tor in der 97. Minute ein 1:1 ergatterten. Schmeichelhaft klar, aber erzwungen, als Ausdruck des Mia san mia. Dieses suchen die mitgereisten Fans nun vergeblich.

Als Schiedsrichter Harm Osmers die Partie schliesslich abpfeift, gehen die Köpfe der Münchner nach unten. Spiel eins nach der Entlassung von Carlo Ancelotti, die Premiere von Willy Sagnol als Interimstrainer endet mit einem weiteren Rückschlag.

Innerhalb von zehn Tagen hat sich der Wind beim FC Bayern komplett gedreht. Von der aufsteigenden Formkurve nach den überzeugenden Siegen gegen Mainz (4:0) und Schalke (3:0) ist nichts mehr übrig. Stattdessen schwelt das Wort Krise über dem Rekordmeister.

Hummels: Die letzten Wochen "haben Spuren hinterlassen"

Der Grund: drei sieglose Pflichtspiele in Folge, darunter zwei vergeigte Zwei-Tore-Führungen und die Blamage von Paris, eine Trainerentlassung, Diskussionen, Spekulationen, Ungewissheit.

Ein fragiler Zustand, der auch an der Mannschaft nicht spurlos vorbeigeht. So zu sehen am Sonntagnachmittag in Berlin. "Die letzten Wochen haben Spuren bei uns hinterlassen", ordnete Mats Hummels die Leistung der Mannschaft ein, zollte aber auch dem Gegner Respekt: "Die Hertha hat sich den Punkt verdient. Sie waren dem 3:2 gefühlt näher, weil wir es verpasst haben, uns noch Torchancen herauszuspielen."

Tatsächlich zeigte die Hertha, dass es mit einer mutigen Herangehensweise in dieser Saison bislang möglich ist, gegen die einstigen Über-Bayern zu punkten. In der zweiten Hälfte gaben die Hausherren wie die Münchner fünf Torschüsse ab, brachten davon jedoch 4:1 aufs Tor.

"Es ist ein bisschen ärgerlich für uns. Wir haben in dem Spiel viele Chancen gehabt. Wenn man 2:0 führt, dann darf man am Ende nicht 2:2 spielen. Aber so ist Fussball, wir müssen das akzeptieren", resümierte Sagnol.

Sagnols Massnahmen greifen nur bedingt

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Akzeptieren musste Sagnol auch, dass seine erwartete Massnahme nur bedingt griff, auf den gesamten Block der zuletzt unzufriedenen Topstars zu setzen. Uli Hoeness hatte mit seiner Aussage, Ancelotti habe zuletzt "fünf Spieler gegen sich" gehabt, deutlich nahegelegt, dass der Italiener mindestens teilweise über den fehlenden Rückhalt in der Kabine gestolpert war.

Sagnol machte bei seiner Aufstellung zumindest in der Hinsicht keine Experimente, dass er Hummels, Jerome Boateng, Arjen Robben und Franck Ribery in die erste Elf beorderte.

Zudem reagierte er auf die Kritik der fehlenden Defensivstärke, indem er Javi Martinez erstmals seit Dezember 2015 wieder im zentralen Mittelfeld aufstellte. Gemeinsam mit Corentin Tolisso sollte er die Räume in der Spielfeldmitte dichtmachen und so für Stabilität sorgen.

Allerdings sorgten die personellen Eingriffe nicht für den gewünschten Effekt.

FC Bayern: Offensive und defensive Schwächen

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Offensiv fehlte den Bayern ein klarer Plan, die Spielanlage wirkte zwischenzeitlich erratisch, unstrukturiert. Gefährlich wurden die Münchner meist nur durch Standards, zufällig wirkende Stafetten oder lange Bälle von Jerome Boateng, dem aufgrund der spielerisch schwächer besetzten Doppelsechs umso mehr Aufgaben im Spielaufbau zukamen.

Defensiv stimmten die Abstände häufig nicht, darüber hinaus wirkten die Bayern unkonzentriert und seltsam passiv - mit dem Kulminationspunkt beim Sololauf von Genki Haraguchi vor dem Berliner Anschlusstreffer, der Kimmich, Boateng und Hummels umkurvte wie Fahnenstangen im Dribbeltraining und kaum Gegenwehr ausgesetzt war.

"Es ist nicht nur die Abwehr", beurteilte Sagnol das mangelhafte Verteidigen: "Das ist mehr ein Problem der gesamten Mannschaft. Wir müssen mehr zusammen agieren und eine gute Balance finden."

BVB bereits fünf Punkte enteilt

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Neben der Balance verwies der Interimstrainer auf den fehlenden Fokus: "Ohne Konzentration sind wir nicht mehr die stärkste Mannschaft Deutschlands." Borussia Dortmund liegt nun bereits fünf Zähler vor dem Serienmeister und weist damit den grössten Vorsprung seit dem letzten Spieltag der Saison 2011/2012 auf. Nach der Länderspielpause muss der FC Bayern zwingend in die Spur finden, um den Rivalen in Schwarz-Gelb nicht noch weiter enteilen zu lassen.

Die Rolle des Jägers ist für den FCB in den letzten Jahren eine ungewohnte. Dass es nicht einfach werden wird, diese auszufüllen, zeigte der Sonntag. Denn die Partie bei Hertha BSC legte offen, dass die Bayern nicht nur ein Trainer-Problem hatten. Es war eben nicht ausschliesslich Ancelotti, der mit Aufstellungen, Passivität und Sturheit provozierte und so Mannschaft und Umfeld gegen sich aufbrachte. Seine Entlassung löste zumindest nicht unmittelbar den Knoten.

Stattdessen haben die Bayern sowohl Probleme mit der spieltaktischen Ausrichtung in der Vorwärts- wie in der Rückwärtsbewegung als auch mit Formschwächen (Alaba enttäuschte erneut, Robben blieb bis zu seiner Auswechslung blass, Müller spielte unglücklich).

"Wir müssen schauen, dass jeder Einzelne mehr aus sich herausholt", forderte auch Ersatz-Kapitän Müller: "Und zwar unabhängig vom Trainer. Wir Spieler sind absolut in der Pflicht."

Dazu wachsen auch die Verletzungssorgen. So müssen die Münchner mit ihrem ohnehin schon sehr schmalen Kader neben Manuel Neuer künftig vermutlich auch wochen-, vielleicht sogar monatelang auf Franck Ribery verzichten, der mit einem Verdacht auf Aussenbandriss ausgewechselt werden musste.

Sagnol hatte wenig Möglichkeiten

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Das Zeugnis über die Leistung in Berlin ist also nur in begrenztem Masse an Sagnol auszustellen. Dieser hatte schlicht nicht die Zeit, mit der Mannschaft in drei Tagen neue Automatismen einzustudieren und ein neues Spielsystem zu implementieren. Eine Revolution war unmöglich.

Stattdessen konnte er daran ansetzen, die mentalen und zwischenmenschlichen Probleme anzusprechen - für eine ausführliche Aufarbeitung bedürfte es längerer Zeit. Und er konnte eben die Aufstellung ans Flipchart in der Kabine heften.

Ob er das auch nach der Länderspielpause im Heimspiel gegen den SC Freiburg machen wird, steht in den Sternen: "Ich sollte das Spiel in Berlin übernehmen. Über mehr haben wir nicht gesprochen. Alles andere liegt beim Vorstand", gab Sagnol selbst an. "Es gibt einige Optionen, und es besteht Kontakt zu allen möglichen Kandidaten", liess Sportdirektor Hasan Salihamidzic durchblicken.

Grundsatzfrage zwischen Hoeness und Rummenigge

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Die Chancen für Sagnol, mittelfristig auf der Bank der Bayern sitzen zu bleiben, stehen und fallen wohl damit, worauf sich die Münchner Führungspersönlichkeiten bei der Trainersuche einigen. Angeblich wünscht sich Uli Hoeness eine Übergangslösung und eine Verpflichtung Julian Nagelsmanns im Sommer, während Karl-Heinz Rummenigge offenbar auf eine sofortige Anstellung des verfügbaren Thomas Tuchel pocht.

Es ist eine Grundsatzentscheidung. Und auch die Frage danach, ob eine Frischzellenkur nötig ist, um die evidenten Probleme in der Mannschaft zu beheben, schliesslich gehörte Sagnol bereits zu Ancelottis Trainerstab.

Die Antwort auf diese Fragen kennen nur die Granden des Vereins. Fakt ist: Auf "hoch und weit" als Ultima Ratio haben diese auf Dauer keine Lust. Das Mia san mia soll wieder her, besonders in der Schlussphase enger Spiele.

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