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Nikolas Nartey: Vorreiter eines neuen Jahrtausends

In vielerlei Hinsicht ist Nikolas Nartey ein ganz gewöhnlicher Jugendlicher: Er ist im Internet unterwegs und hat seit kurzem einen neuen Instagram-Account, er paukt fleissig für den Schulabschluss und er spielt für sein Leben gern Fussball. Aussergewöhnlich ist jedoch, dass er für Letzteres das rot-weisse Trikot des 1. FC Köln überstreift - und zwar nicht das irgendeiner Juniorenmannschaft.

Nein, mit gerade mal 17 Jahren steht Nartey im A-Kader der Domstädter und könnte in dieser Saison Bundesliga-Geschichte schreiben: Denn der junge Däne steht kurz davor, der erste Liga-Profi zu werden, der im neuen Millennium geboren wurde.

Seit seinem achten Lebensjahr, ist der am 22. Februar 2000 geborene Nikolas Nartey im Vereinsfussball aktiv - 2013 wagte er den Sprung zum besten Klub der dänischen Hauptstadt, dem FC Kopenhagen.

Dort überzeugte er mit der U19 in der UEFA Youth League, wurde fester Bestandteil der dänischen Junioren-Nationalmannschaften und spielte sich so in den Fokus vieler europäischer Klubs. Dann: der Sprung nach Deutschland. Nach Köln.

In der Ruhe liegt die Kraft

Da das Nachwuchszentrum des Effzeh die 400.000 Euro Ablöse jedoch nicht alleine stemmen konnte, wurde die Investition teilweise mit Geldern des Profikaders finanziert. Ein äusserst ungewöhnliches Prozedere, das zeigt, wie viel Potenzial Jörg Schmadtke in Nartey sah, als er ihm einen Vertrag bis 2020 zur Unterschrift vorlegte.

Doch trotz der grossen Ambitionen hörte man hierzulande im vergangenen Jahr vergleichsweise wenig über das Ausnahmetalent, was der Philosophie der Geissböcke geschuldet ist: "Wir sind vorsichtig mit jungen Helden hier in Köln. Er bekommt die Ruhe und die Zeit, die er braucht", zitierte das WDR Trainer Peter Stöger.

Im Falle Nartey heisst das: keine Interviews, keine öffentlichen Auftritte. Stattdessen lebt der 17-Jährige behütet im Kölner Internat, lernt per Fernstudium für seinen dänischen Schulabschluss und soll gleichzeitig sein Deutsch aufbessern.

Schmadtke und Co wollen nicht, dass der Hype Nartey von seinem Ziel ablenkt. Laut Trainer Stöger ist die Gefahr dafür jedoch nicht sehr gross. Im Gegenteil: Nartey wirke "sehr klar in seinen Aktionen".

Nartey "wie ein alter Hase"

Diese "Klarheit" überträgt der Youngster auch auf den Fussballplatz - im zentralen Mittelfeld eine absolut notwendige Tugend. Technisch versiert, mit klaren Pässen in die Schnittstelle, ordentlich Selbstbewusstsein und einer grossen Portion inneren Ruhe wusste er die Kölner für sich zu gewinnen.

Die vorerst grösste Belohnung: Beim 5:0 gegen den Leher TS im DFB-Pokal stand Nartey zumindest im Kader. "Du kannst gewisse Abläufe einstudieren, aber für die Umsetzung [musst du] die Situationen erkennen, Lösungsmöglichkeiten haben und diese auch umsetzen können. Das kann er richtig gut", begründete Peter Stöger gegenüber der SportBild die Nominierung.

Der Kölner Express schreibt: Nartey "spielt mit 17 Jahren schon wie ein alter Hase".

Nikolas Nartey: Vorreiter eines neuen Jahrtausends
Mental sieht also niemand in Köln ein Problem im jungen Alter des Ausnahmetalents - und auch seine Physis lässt wenig Fragen offen. Mit seinen 1,85 Meter und seinem tadellosen Arbeitsethos sei der grosse Däne, so Stöger, körperlich sogar weiter als es der Trainer selbst seinerseits war.

Der Fall Nartey: Köln vs. FIFA

Trotz der grandiosen Anlagen war Narteys kometenhafter Aufstieg nicht unbedingt abzusehen. Besonders der Beginn in Köln verlief alles andere als nach Plan, da die FIFA einige Steine in den Weg legte.

Denn nach dem Transfer sprach der Verband eine Sperre gegen Nartey aus. Notwendige Unterlagen seien zwar zeitgemäss, jedoch fehlerhaft übermittelt worden. Die Konsequenz: Keine Spielberechtigung in Deutschland.

Erst nachdem die Kölner sowohl den DFB als auch die DFL als Vermittler einschalteten, hob letztlich der Sportgerichtshof CAS die Sperre auf. Laut kicker, da die FIFA durch eine Regeländerung mitten in der Transferphase den Fehler selbst zu verantworten habe.

Das langwierige Hin und Her sorgte jedoch dafür, das Nartey nie wie geplant das Trikot der U17 oder der U19 trug. Lediglich vier U21-Einsätze stehen auf seinem Konto - normalerweise kaum genug, um sich ausreichend für die Profis zu empfehlen.

Zuverlässigkeit mit Highlight-Potenzial

Doch der Linksfuss nutzte die erste Chance, die sich ihm bot: Im März, während einer Länderspielpause, durfte er mit dem Bundesliga-Kader trainieren. Ein normaler Vorgang, "um den Kader aufzufüllen", erklärt Stöger der SportBild.

Nartey stach jedoch aus der Masse heraus. Nach seiner Torvorlage im Test gegen Bergisch-Gladbach sagte sein Trainer: "Alle haben erkannt, von Jörg Schmadtke über das Trainerteam bis zu den Spielern, dass er ein richtiges Talent ist."

Von da an war der Däne dabei: Im Sommer absolvierte er die gesamte Vorbereitung in Bad Radkersburg, erzielte ein Tor gegen Graz, war gegen Uerdingen der vielleicht beste Akteur auf dem Feld und sorgte mit Zidane-Trick gegen drei Bologna-Spieler für Szenenapplaus.

Nartey - Vorreiter des neuen Jahrtausends

Für einen Liga-Einsatz hat es bisher noch nicht gereicht. Stöger vertraute im defensiven Mittelfeld bisher auf Kapitän Lehmann und Hector und liess im Derby gegen Gladbach Jojic den offensiven Part spielen. Nartey läuft in der Zwischenzeit für Kölns zweite Mannschaft in der Regionalliga West auf.

Nikolas Nartey: Vorreiter eines neuen Jahrtausends
Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis der junge Mann mit der Rückennummer 38 seinen Fuss auch auf Bundesliga-Rasen setzen wird. Vielleicht auch schon am 3. Spieltag gegen den FC Augsburg.

So oder so: Dieser Moment - es wird ein historischer sein. Denn dann ist das neue Jahrtausend angekommen.

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